Lautverbindung und Assimilation
Dieses Modul behandelt die Lautverbindung und Assimilation im Deutschen. Lerne, wie sich Laute beim Sprechen verändern und wie man diese Phänomene korrekt ausspricht und schreibt.
Lautverbindung
Lautverbindung bedeutet, dass beim Sprechen zwei Laute an Wortgrenzen nahtlos verbunden werden. Im Deutschen tritt Lautverbindung oft auf, wenn ein Wort auf einen Konsonanten endet und das nächste Wort mit einem Vokal beginnt. Die Verbindung entsteht, weil Sprecher den Redefluss erhalten und Pausen vermeiden. Die Schreibung bleibt unverändert, auch wenn die Wörter im Satz klanglich verbunden sind.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Wenn ein Wort auf einen Konsonanten endet und das nächste Wort mit einem Vokal beginnt, werden die Laute verbunden. | |
Lautverbindung ändert die Schreibung nicht, sondern betrifft die Aussprache im Satz. |
Sandhi
Sandhi bezeichnet lautliche Veränderungen an Wort- oder Morphemgrenzen durch Lautverbindung oder Anpassung. Im Deutschen zeigt sich Sandhi vor allem als fließender Übergang zwischen Wörtern im Satz. Die typische Form ist das Überbinden von Konsonant zu Vokal ohne zusätzliche Laute. Sandhi ist im Deutschen weniger drastisch als in manchen anderen Sprachen, bleibt aber für flüssiges Sprechen wichtig.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Ein Endkonsonant wird vor folgendem Vokal im Redefluss überbunden. | |
Mehrere gleiche Konsonanten an der Grenze werden oft wie ein langer Konsonant gesprochen. |
Assimilation
Assimilation ist die Angleichung eines Lautes an einen benachbarten Laut in Artikulationsstelle oder Artikulationsart. Im Deutschen tritt Assimilation besonders bei Nasalen vor bestimmten Konsonanten auf. Assimilation kann auch bei schnellen oder informellen Sprechweisen verstärkt auftreten, bleibt aber eine Regel der Lautbildung. Die Schreibung spiegelt die vollständige Assimilation meist nicht wider.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Ein N wird vor K oder G oft als ng gesprochen, weil beide velar sind. | |
Ein M entsteht häufig lautlich, wenn N vor P oder B steht, weil beide bilabial sind. |
Endkonsonanten
Im Deutschen werden Endkonsonanten bei Lautverbindung vollständig artikuliert und nicht verschluckt. Besonders wichtig ist dies bei grammatischen Markierungen wie Plural-s, -t und -n. Die deutliche Artikulation unterstützt das Hörverstehen und die Satzstruktur. In schneller Rede kann die Verbindung sehr flüssig klingen, ohne dass der Konsonant völlig wegfällt.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Das Plural-s bleibt hörbar und wird vor Vokal überbunden. | |
Das Verb-Ende -t bleibt hörbar und verbindet sich mit folgendem Vokal. |
-n und -ng
Die Endungen -n und -ng unterscheiden sich durch den Ort der Lautbildung. -n ist ein alveolarer Nasal und erscheint zum Beispiel in "gesehen". -ng ist ein velarer Nasal und erscheint in "singen". Bei Lautverbindung bleibt diese Unterscheidung erhalten und wird nicht nivelliert.
Wort/Ausdruck | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
gesehen | ||
singen |
Artikelbindung
Bestimmte und unbestimmte Artikel binden sich im Satz oft an das folgende Substantiv durch Lautverbindung. Die Verbindung ist besonders deutlich, wenn der Artikel auf einen Vokal trifft, zum Beispiel "ein Apfel". Auch Präpositionen mit kurzem Vokal verbinden sich leicht mit dem folgenden Wort. Die Verständlichkeit hängt davon, dass die Lautgrenzen klar, aber flüssig gesprochen werden.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Der Artikel verbindet sich mit einem folgenden Vokal im Substantiv. | |
Kurze Präpositionen verbinden sich mit dem folgenden Wort. |
Reduktionsformen
Im gesprochenen Deutsch werden unstarke Silben und Funktionswörter oft reduziert und mit Nachbarwörtern verbunden. Typisch ist die Reduktion von "haben" zu "'n" in Perfektformen. Auch "zu" kann in schnellen Sprechweisen reduziert und angebunden werden. Reduktion verändert vor allem die Lautgestalt, nicht die grammatische Struktur.
Wort/Ausdruck | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
'n | ||
zu (reduziert) |
Schwa und Verbindung
Das Schwa "ə" tritt in vielen Endungen auf und erleichtert die Lautverbindung, weil es einen Vokal bereitstellt. Typische Fälle sind Endungen wie -e in "Lehne" oder -en in "machen". Bei Lautverbindung wird das Schwa oft kurz und unbetont gesprochen, bleibt aber als Bindeglied hörbar. Das vollständige Weglassen des Schwa kann zu Verständlichkeitsproblemen führen.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Das Schwa in -en unterstützt die Verbindung zum nächsten Wort. | |
Unbetontes -e bleibt kurz und verbindet sich mit folgendem Vokal. |
Schreibung vs. Laut
Die Regeln der Lautverbindung und Assimilation betreffen die Aussprache im Satz, nicht die Rechtschreibung. Im Schriftdeutsch werden Wortgrenzen und Endungen gemäß der Grammatik geschrieben, auch wenn sie lautlich gebunden werden. Für die Schreibsicherheit ist es wichtig, die lautlichen Prozesse als Aussprachephänomene zu erkennen. Die bewusste Trennung von Laut und Schrift verhindert typische Fehler bei Endungen.
Regel | Beispiel |
|---|---|
Lautverbindung verändert die Schreibweise nicht. | |
Assimilation im Sprechen ändert die Schreibweise nicht. |