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Lautverbindung und Assimilation

Dieses Modul behandelt die Lautverbindung und Assimilation im Deutschen. Lerne, wie sich Laute beim Sprechen verändern und wie man diese Phänomene korrekt ausspricht und schreibt.

Lautverbindung

Lautverbindung bedeutet, dass beim Sprechen zwei Laute an Wortgrenzen nahtlos verbunden werden. Im Deutschen tritt Lautverbindung oft auf, wenn ein Wort auf einen Konsonanten endet und das nächste Wort mit einem Vokal beginnt. Die Verbindung entsteht, weil Sprecher den Redefluss erhalten und Pausen vermeiden. Die Schreibung bleibt unverändert, auch wenn die Wörter im Satz klanglich verbunden sind.

Regel
Beispiel
Wenn ein Wort auf einen Konsonanten endet und das nächste Wort mit einem Vokal beginnt, werden die Laute verbunden.
🍏Ich habe einen Apfel
Lautverbindung ändert die Schreibung nicht, sondern betrifft die Aussprache im Satz.
🎭Wir gehen ins Theater

Sandhi

Sandhi bezeichnet lautliche Veränderungen an Wort- oder Morphemgrenzen durch Lautverbindung oder Anpassung. Im Deutschen zeigt sich Sandhi vor allem als fließender Übergang zwischen Wörtern im Satz. Die typische Form ist das Überbinden von Konsonant zu Vokal ohne zusätzliche Laute. Sandhi ist im Deutschen weniger drastisch als in manchen anderen Sprachen, bleibt aber für flüssiges Sprechen wichtig.

Regel
Beispiel
Ein Endkonsonant wird vor folgendem Vokal im Redefluss überbunden.
💡Das ist eine Idee
Mehrere gleiche Konsonanten an der Grenze werden oft wie ein langer Konsonant gesprochen.
🏠Ich komme einmal nach Hause

Assimilation

Assimilation ist die Angleichung eines Lautes an einen benachbarten Laut in Artikulationsstelle oder Artikulationsart. Im Deutschen tritt Assimilation besonders bei Nasalen vor bestimmten Konsonanten auf. Assimilation kann auch bei schnellen oder informellen Sprechweisen verstärkt auftreten, bleibt aber eine Regel der Lautbildung. Die Schreibung spiegelt die vollständige Assimilation meist nicht wider.

Regel
Beispiel
Ein N wird vor K oder G oft als ng gesprochen, weil beide velar sind.
🤔Ich denke daran
Ein M entsteht häufig lautlich, wenn N vor P oder B steht, weil beide bilabial sind.
🕗Unbedingt morgen

Endkonsonanten

Im Deutschen werden Endkonsonanten bei Lautverbindung vollständig artikuliert und nicht verschluckt. Besonders wichtig ist dies bei grammatischen Markierungen wie Plural-s, -t und -n. Die deutliche Artikulation unterstützt das Hörverstehen und die Satzstruktur. In schneller Rede kann die Verbindung sehr flüssig klingen, ohne dass der Konsonant völlig wegfällt.

Regel
Beispiel
Das Plural-s bleibt hörbar und wird vor Vokal überbunden.
🚗Die Autos sind alt
Das Verb-Ende -t bleibt hörbar und verbindet sich mit folgendem Vokal.
🗣️Er sagt es mir

-n und -ng

Die Endungen -n und -ng unterscheiden sich durch den Ort der Lautbildung. -n ist ein alveolarer Nasal und erscheint zum Beispiel in "gesehen". -ng ist ein velarer Nasal und erscheint in "singen". Bei Lautverbindung bleibt diese Unterscheidung erhalten und wird nicht nivelliert.

Wort/Ausdruck
Definition
Beispiel
gesehen
👀-n ist ein alveolarer Nasal. Ich habe das gesehen
singen
🎶-ng ist ein velarer Nasal. Wir wollen heute singen

Artikelbindung

Bestimmte und unbestimmte Artikel binden sich im Satz oft an das folgende Substantiv durch Lautverbindung. Die Verbindung ist besonders deutlich, wenn der Artikel auf einen Vokal trifft, zum Beispiel "ein Apfel". Auch Präpositionen mit kurzem Vokal verbinden sich leicht mit dem folgenden Wort. Die Verständlichkeit hängt davon, dass die Lautgrenzen klar, aber flüssig gesprochen werden.

Regel
Beispiel
Der Artikel verbindet sich mit einem folgenden Vokal im Substantiv.
🍏Das ist ein Apfel
Kurze Präpositionen verbinden sich mit dem folgenden Wort.
⏰Ich bin in einer Stunde da

Reduktionsformen

Im gesprochenen Deutsch werden unstarke Silben und Funktionswörter oft reduziert und mit Nachbarwörtern verbunden. Typisch ist die Reduktion von "haben" zu "'n" in Perfektformen. Auch "zu" kann in schnellen Sprechweisen reduziert und angebunden werden. Reduktion verändert vor allem die Lautgestalt, nicht die grammatische Struktur.

Wort/Ausdruck
Definition
Beispiel
'n
🍏Reduzierte Form von "haben" in "ich hab'n". Ich hab'n Apfel gegessen
zu (reduziert)
🏁Schwache Aussprache in schneller Rede. Ich will's zu Ende bringen

Schwa und Verbindung

Das Schwa "ə" tritt in vielen Endungen auf und erleichtert die Lautverbindung, weil es einen Vokal bereitstellt. Typische Fälle sind Endungen wie -e in "Lehne" oder -en in "machen". Bei Lautverbindung wird das Schwa oft kurz und unbetont gesprochen, bleibt aber als Bindeglied hörbar. Das vollständige Weglassen des Schwa kann zu Verständlichkeitsproblemen führen.

Regel
Beispiel
Das Schwa in -en unterstützt die Verbindung zum nächsten Wort.
☕Wir wollen eine Pause machen
Unbetontes -e bleibt kurz und verbindet sich mit folgendem Vokal.
🪢Die Leine ist lang

Schreibung vs. Laut

Die Regeln der Lautverbindung und Assimilation betreffen die Aussprache im Satz, nicht die Rechtschreibung. Im Schriftdeutsch werden Wortgrenzen und Endungen gemäß der Grammatik geschrieben, auch wenn sie lautlich gebunden werden. Für die Schreibsicherheit ist es wichtig, die lautlichen Prozesse als Aussprachephänomene zu erkennen. Die bewusste Trennung von Laut und Schrift verhindert typische Fehler bei Endungen.

Regel
Beispiel
Lautverbindung verändert die Schreibweise nicht.
📝Er hat es gesagt
Assimilation im Sprechen ändert die Schreibweise nicht.
🎬Wir gehen ins Kino